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30.000 rein und ab 2011 raus
Präsident Obama hat am Dienstag angekündigt, dass er bis zum Sommer nächsten Jahres 30.000 zusätzliche US-Truppen nach Afghanistan schicken wird und ab Juli 2011 beginnen wird, die dort stationierten Kräfte abzuziehen. An die Nation gerichtet machte er deutlich, dass der islamistische Extremismus in der Region eine dauerhafte Bedrohung für die Sicherheit der Amerikaner bleibt, so die Washington Post. Bei der Entscheidungsfindung habe er die große Verantwortung gespürt, die er als Oberbefehlshaber trägt, wenn er den Einsatz ausweitet, so Obama. Schließlich sei er der wichtigste Architekt eines bereits acht-jährigen Krieges, so der Präsident.
Die New York Times findet diesbezüglich, dass die militärischen Argumente des Präsidenten überzeugend seien, meint aber auch, dass in der Rede Obamas Zweifel an der Zuverlässigkeit von Präsident Hamid Karzai und an der Finanzierung des Krieges herauszuhören waren. In der Washington Post begrüßt David Ignatius Obamas Entscheidung, die Truppen in Afghanistan aufzustocken, auch wenn er findet, dass es sich dabei um eine politische Strategie handelt, die alle unglücklich macht. In der New York Times widerspricht Thomas Friedman dieser Ansicht. Er könne nicht mit Obamas Entscheidung, den Afghanistan-Einsatz auszuweiten, übereinstimmen und bevorzugt stattdessen einen minimalistischen Ansatz: Man müsse mit den dortigen Stammesführern zusammenarbeiten, wie es bereits geschehen ist, als das Taliban-Regime gestürzt wurde.
Unterdessen fordert der ehemalige pakistanische Präsident Pervez Musharraf einen "politischen Ruck” in Afghanistan, weil eine militärische Lösung alleine keine Garantie für Erfolg sei. Armeen können nur manchmal gewinnen und im besten Fall den Rahmen für den weiteren politischen Prozess schaffen. Ähnlich sieht das die USA Today in einem Kommentar: Der Erfolg in Afghanistan sei abhängig von einem komplexen Mix verschiedener Strategien mit dem Ziel, den Knoten von Problemen, die den Kriegseinsatz erschweren, zu lösen. Die entscheidende Frage ist, ob das “elegante Denken” des Präsident den unangenehmen und wechselnden Realitäten standhält, so das Blatt.
Eine andere Sichtweise vertritt Christopher Preble, der Leiter der Abteilung für Außenpolitk im Cato Institut, in der USA Today: Er ist der Auffassung, dass die USA sich schon vor langer Zeit von dem Ziel, eine Nation aufzubauen, hätten verschabschieden sollen. Die meisten dieser Projekte scheitern, so Preble. Aber die Aussichten in Afghanistan seien noch schlimmer: Das Land sei notorisch misstrauisch gegenüber Fremden und es fehlt eine föderale Macht. Obamas Strategie wird Afghanistan nicht transformieren, findet Tim Rutten in der LA Times, aber es könnte das Land eines Tages sicher genug machen, um es zu verlassen.
Die Entscheidung des Präsidenten sei eine deutliche Bestätigung für die Denkweise von Verteidigungsminister Robert Gates, schreibt das Wall Street Journal. Mr. Gates, ein Überbleibsel der Bush-Administration, wird stärker als bisher mit den Ergebnissen des Afghanistan-Krieges identifiziert werden, als es jemals mit den Ergebnissen des Irak-Krieges der Fall war, findet das Blatt. Derweilen zeigt eine neue Studie der Demokratischen Strategen Stanley Greenberg und James Carville, dass die Wähler “ziemlich unsicher” sind, ob Obamas Politik funktioniert. Eine knappe Mehrheit glaubt sogar, dass die Republikaner eine bessere Wirtschaftspolitik betreiben würden, so The Hill. Damit scheint die Wirtschaftspolitik fuer die unabhängigen und Republikanischen Wähler zum entscheidenden Thema bei den Wahlen 2010 zu werden. Parallel dazu kann Obama mit seiner Afghanistan-Strategie bei der Demokratischen Partei-Basis nicht punkten.
Collateral Damage von Fort Hood
Präsident Obama, Militärs und eine Vielzahl von Gesetzgebern werden bei der heutigen Trauerfeier für die 13 Opfer der Schießerei auf dem Fort Hood Army Stützpunkt erwartet, so The Hill. Der Militärpsychologe Major Nidal Malik Hasan hatte auf dem US-Truppenstützpunkt Fort Hood in Texas zwölf Soldaten und einen Zivilisten getötet und 31 teils schwer verletzt. Hasan ist Muslim und sollte in Kürze nach Afghanistan. Der Pressesprecher des Weissen Hauses, Robert Gibbs, sagte, die Obamas werden mit den Familien der Opfer zusammenkommen und der Präsident wird an der Gedenkstätte sprechen. Derweilen sehen Psychiater die Bluttat als Warnung. Um weitere “Nebenwirkungen”zu vermeiden, setzen sie sich dafür ein, muslimischen US-Soldaten den Kriegsdienstverweigerer-Status zu ermöglichen statt diese in Kriege gegen andere Muslime zu schicken, berichtet die Washington Post.
Zu diesem Thema vermerkt David Brooks in der New York Times: "Die Debatte in den ersten Tagen nach dem Massaker war gut gemeint, aber sie ging an der Wirklichkeit vorbei. Sie verkenne die Tatsache, dass der Krieg gegen den Islam lange das zentrale Merkmal der amerikanischen Außenpolitik war. Und sie verkenne die Tatsache, daß dies von Radikalen in Gaza oder Kandahar auch so wahrgenommen wurde. Cal Thomas kritisiert die amerikanische Öffentlichkeit in der Washington Times dafür, dass sie "praktisch alles toleriert und in politischer Korrektheit schwelgt.” Es sei aber ein Irrtum zu glauben, dass radikale Islamisten einen in Ruhe lassen, wenn sie sehen, dass man ihnen nichts tut, so Thomas.
Für andere war das Motiv von Hasan sofort klar: Es war ein Akt des Terrorismus von einem Mann, der als bösartig bekannt war, anti-amerikanisch und Dschihad-Sympathisant, so Dorothy Rabinowitz vom Wall Street Journal Editorial Board. Auffällige Anzeichen von Gefahr seien von seinen Vorgesetzten ignoriert worden, so Rabinowitz. "Was wirklich erschreckend ist, ist die Tatsache, dass unsere zivile und militärische Führung vor lauter politischer Korrektheit bestreitet, dass es eine Verbindung zwischen mörderischen Akten wie von Major Hasan und dem autoritären Scharia-Auslegung des Islam gibt", argumentiert Frank Gaffney Jr. in der Washington Times. "Es gibt einen Unterschied zwischen Sensibilität und Dummheit", meint auch Eugene Robinson in der Washington Post. "Wenn es vor der Bluttat tatsächlich Anzeichen dafür gab, dass Hasan durch die US-Kriege im Irak und in Afghanistan radikalisiert wurde, hätte die Armee handeln müssen.”
Afghanistan als Belastungsprobe
Präsident Obama will sich trotz der Vorkommnisse bei der Präsidentschaftswahl in Afghanistan mit seiner Entscheidung über eine neue Strategie für das Land Zeit lassen, so The Hill. Der Pressesprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs, bestätigte den Plan Obamas, die nächsten Wochen abzuwarten und bekräftigte, dass der Rückzug Abdullah Abdullahs aus dem Rennen um die Präsidentschaft bei der Entscheidungsfindung keine Auswirkungen haben wird.
Die New York Times bedauert derweilen die Entscheidung des Oppositionsführers Abdullah Abdullah, sich aus der Stichwahl in dieser Woche zurückzuziehen und ermahnt den afghanischen Präsidenten Hamid Karzai, eine stärkere Führungsrolle zu übernehmen. Ermutigende Nachrichten gibt es dagegen aus Pakistan, wo die Armee Pro-Taliban-Kämpfer gestellt und Wege abgeschnitten hat, die es ihnen erlauben würden, zu entkommen, berichtet Bloomberg News.
Besorgniserregend ist dagegen die Selbstmordrate unter den US-Truppen. Sechzehn GIs, die in den USA oder im Ausland im Einsatz waren, haben sich alleine im Oktober das Leben genommen, berichtet das Wall Street Journal. Diese ungewöhnlich hohe Zahl löst große Besorgnis aus über die psychische Gesundheit der Soldaten der US-Armee, die nunmehr acht Jahren ununterbrochenen im Kriegseinsatz ist. Hochrangige Generäle der Army befürchten nun, dass die Entsendung von neuen Truppen nach Afghanistan eine noch stärkere Belastung für die vielen Soldaten bedeutet, die bereits im Irak und in Afghanistan im Einsatz waren.

