U.S. Medien
Bidening our time
Frühestens Mittwoch - aber wahrscheinlich gegen Ende der Woche, so lauteten die verschiedenen Szenarien, was den Tag der Bekanntgabe von Obamas VP-Kandidaten angeht. Ganz egal wer es werden wird, die Disziplin bzw. Verschwiegenheit von Obamas engstem Kreis an Mitarbeitern ist beachtlich, schreibt die New York Times. Und auch wenn Evan Bayh immer noch an oberster Stelle bei einigen Beobachtern liegt, so ist doch Senator Joe Biden in den letzten Tagen wieder in aller Munde gewesen. Publikumswirksam konnte er sich in Georgien in Szene setzten, nachdem McCain die "Medienschlacht" um den Konflikt zunächst dominiert hatte. Laut MSNBC, ist Biden Obamas Mann.
Die New York Times warnt allerdings, dass es weiterhin eine nicht zu unterschätzende Gruppe von Delegierten und vor allem Anhängern gibt, welche Senator Clinton mehr denn je an Obamas Seite sehen wollen. Die CBS News berichten, dass einer CBS/NYT Umfrage zufolge, 28 Prozent der Delegierten die Senatorin als Vizepräsidentschaftskandidatin unterstützen, Biden folgt mit nur 6 Prozent der Stimmen.
McCain versucht derweilen, Obamas Medien-Tsunami in der Konventions-Woche zu brechen sowie mögliche Schlagzeilen bzgl. seines 72. Geburtstages zu unterbinden - und verspricht darum seinen 'running mate' an letzterem bekanntzugeben, berichtet die Los Angeles Times. Am 29. August springt der VP also höchstpersönlich aus der Torte? Nachdem der ehemalige Gouverneur von Pennsylvania, Tom Ridge, letzte Woche aufgrund seiner abtreibungsfreundlichen Ansichten auf erheblichen Widerstand seitens der Konservativen gestoßen war, scheint sich die Auswahl für McCain auf seinen ehemaligen Rivalen Mitt Romney oder Gouverneur Tim Pawlenty zu beschränken, meint nun der Politico.
Optimism on Terrorism
Laut einer Umfrage des Foreign Policy Journals und des Center for American Progress geben sich die amerikanischen Aussenpolitikexperten optimistisch, was den "war on terror" angeht. Auch wenn die über 100 befragten Demokratischen und Republikanischen Experten weiterhin grosse Herausforderungen für die USA sehen, so gab man sich wesentlich optimistischer als vor einem Jahr. Damals meinten noch 91 Prozent der Befragten, dass die Zukunft gefährlicher werden würde, dieses Jahr glaubten das nur noch 70 Prozent. Derweilen verbesserte sich die Zahl deren, die der Auffassung waren, dass die USA den Krieg gegen den Terror gewinnen würde von 6 Prozent im Jahr 2007 auf nunmehr 21 Prozent. Der 'Terrorism Index' wird in der nächsten Ausgabe des Journals veröffentlicht - und sicherlich auch bald von McCains Kampagne genutzt werden, um die Richtigkeit seiner aussenpolitischen Positionen zu untermauern.
What is evil?
Der Bedeutung der rund 60 Millionen Evangelikalen in den USA wurde am Wochenende offen zur Schau gestellt, wobei daran erinnert werden muss, dass diese Gruppe im Jahr 2004 zu 79 Prozent für George W. Bush gestimmt hat. Beide Kandidaten gaben dem einflussreichen Pastor Rick Warren von der Saddlewood (Mega)Kirche in Lake Forest, Kalifornien ein langes Interview. Laut dem Wall Street Journal ist dabei John McCain als Sieger aus der "Debatte" hervorgegangen. Die aufeinander folgenden Interviews mit identischen Fragen gaben einen Ausblick auf die kommenden Debatten zwischen den beiden Kandidaten, wobei Obamas Antworten oft mehrere Pausen enthielten und langwierig waren, während McCain meist schnell auf den Punkt kam.
Da Obama allerdings zuerst befragt wurde und McCain mit knappen, präzisen Antwortem brillieren konnte, kam schnell der Verdacht auf, dass McCain nicht wirklich in einem "scone of silence" war, wie es der Pastor versicherte, so die New York Times. Stattdessen berichtete der Sender NBC, dass McCain möglicherweise einige der Fragen überhört haben könnte. Laut dem Politico hat sich McCains Wahlkampfmanager Rick Davis mittlerweile für die "unfaire" Berichterstattung des Senders beschwert.
Bill Kristol von der New York Times meint dabei einen fundamentalen Unterscheid zwischen den beiden Kandidaten ausgemacht zu haben. Auf die Frage, wie dem "Bösen" zu begegnen wäre, antwortete Obama, dass man sich diesem stellen müsste. Jedoch warnte er davor, dieses mit etwas Demut zu tun, da im Namen des Guten viel Böses begangen wurde. McCain wiederum sprach hauptsächlich von der Notwendigkeit sich dem Bösen (insbesondere dem "radical Islamic extremism") nicht nur zu stellen, sondern es auch zu besiegen.
Michael Gerson kommt zu einem ähnlichen Urteil, was den Ausgang dieser indirekten Debatte angeht. In der Washington Post schreibt er, dass nun klar ist, warum Obama nicht das Angebot McCains angenommen hat, eine Reihe von 'townhall' Debatte abzuhalten. McCain brilliert in diesem Format. In den letzten Wochen konnten sich die Republikaner aufgrund Obamas Schwäche in den Umfragen vertrösten, nun gibt ihnen McCains Stärke Hoffnung, meint Gerson. Beide Kandidaten unterschieden sich klar bzgl. ihrer Position zur Abtreibung, berichtet die Los Angeles Times. Obama erinnerte die Kirchgänger dabei, dass er zwar das Recht auf Abtreibung befürwortete, jedoch versuchen würde, die Zahl dieser zu verringern. McCain wiederum sprach sich gegen das Abtreibungsrecht aus.
Money, money, money
Laut einer Studie des Center for Responsive Politics hat Senator Obama mehr Spenden von US Truppen erhalten, als der hoch dekorierte Kriegsheld Senator McCain, schreibt Agence-France Presse. Ende Juni diesen Jahres hatte Obama sogar ein Sechsfaches an Spenden von im Ausland stationierten Truppen erhalten. Mal schaun, wie es lange es brauchen wird, bis diese Tatsache in einem YouTube Video auftaucht.
Dafür kann McCain aber mit Unterstützung seitens der Eigentümer von Sportmannschaften "trumpfen." Diese sind vielleicht nicht die "Antwort" auf Obamas Fundraiser in Hollywood, jedoch hat diese Gruppe bis Ende Juni mehr $3,2 Millionen für McCain gesammelt - verglichen mit $615.000 an Spenden für Obama, so der Politico.
Abhilfe gefällig notwendig? Die American Political Science Association ermittelte in einer Studie, dass zumindest Demokratische Kandidaten in den 30 Tagen nach einem Auftritt beim "Colbert Report" auf dem TV-Sender Comedy Central 44 Prozent mehr Spenden einnahmen als Anwärter, die sich nicht den bissigen Fragen des pseudo-erzkonservativen Moderators stellten, schreibt die Chicago Tribune.
Die Associated Press berichtet derweilen, dass Präsident Bush auch trotz ausgeprägter Unbeliebtheit im Land weiterhin ernstzunehmende Spendensummen generiert. Während seiner Amtszeit hat er bisher insgesamt $968 Millionen an Spenden für die Partei, seine (Wieder)Wahl und Republikanische Kandidaten sammeln können. Und er ist noch lange nicht fertig.
Allerdings schreibt der Boston Globe heute auch, dass Senator Obama mittlerweile die "2 Millionen Spender"-Grenze durchbrochen hat. Damit hat er bis Ende Juni insgesamt schon rund $340 Millionen zu McCains knapp $145 Millionen eingenommen.
Good news and bad news
Drei prominente Republikaner haben sich öffentlich für Obamas Kandidatur ausgesprochen, berichtet das Wall Street Journal. 'Republicans for Obama' wurde von dem ehemaligen Abgeordneten James Leach, dem ehemaligen Senator Lincoln Chafee sowie Rita Hauser, einer Bush-Fundraiserin, gegründet. McCain kann derweilen weiterhin auf den ehemaligen Demokraten Joe Lieberman setzten, um sich als überparteilichen Politiker darzustellen.
Erstaunlicherweise kommt Barack Obama bei Jägern gut an, schreibt der Politico. Zwar liegt McCain mit 45 zu 31 Prozent in der Gunst dieser Bevölkerungsgruppe, jedoch ist sein Vorsprung wesentlich weniger ausgeprägt, vergleicht man George W. Bushs und Al Gores bzw. John Kerrys Popularität vor 8 bzw. 4 Jahren. "Dennoch" warnt der Politico, dass die Wahl bei weitem nicht entschieden ist: einen erdrutschartigen Sieg - wie es einige von Obamas Sympathisanten erhoffen - ist im Allgemeinen bereits Ende des Sommers ersichtlich - wovon bisher aber nichts zu sehen ist.
Und jetzt kommt es auch noch zu der Veröffentlichung eines (weiteren) kritischen Buches - "The Obama Nation" von Jerome R. Corsi. Dieser hatte bereits vor vier Jahren ein Buch zu John Kerry verfasst, welches eine alternative "Interpretation" von John Kerrys Lebenslauf darbot, so der Politico. In einem weiteren Artikel, weist der Politico auf die Fragwürdigkeit der Recherchen und Behauptungen auf denen das Buch basiert. Die Washington Post berichtet ebenfalls über den von Corsi jetzt verbreiteten Spin: Obama als Sohn eines polygamen Alkoholikers, dessen Probleme mit seiner Aussetzung und 'black rage' ihn zum Experimentieren mit Drogen und Radikalismus (ver)führten. Kerrys ehemalige Strategen raten derweilen, dass Obama aggressiver reagieren soll, als es Kerry damals tat.Unamerican Obama
Nachdem der Atlantic am Montag in einem Artikel eine Reihe von internen Emails der Clinton-Kampagne veröffentlicht hatte, meldete sich die Blogosphäre schnell zu Wort. Dabei wurde vor allem Clintons Wahlkampfstratege Mark Penn dafür kritisiert, dass er ihr empfohlen hatte, Obama als 'un-American' darzustellen: Obamas Kindheit in Indonesien sowie sein Aufwachsen auf Hawaii würden ihn als zu "multikulti" erscheinen lassen, um in einem Kriegsjahr gewählt zu werden.
Insbesondere die konservativen Blogger kritiserten, dass es den
Demokraten scheinbar erlaubt sei, Obama so zu attackieren, ihnen jedoch
nicht. Pejman Yousefzadeh von RedState erinnert dabei an Clintons frühe Versuche, Obama als 'un-American' bzw. als andersartig und fremd darzustellen - ihr Team hätte
das Photo von Obama mit Kopftuch und Gewand an den Drudge-Report
weitergeleitet und sie selbst hatte auf die Frage ob Obama Muslim sei,
mit einem schwachen "soweit ich es weiss, nein" geantwortet. Ed Morrisey von Hot Air meint, dass Obama nun nicht mehr die "race card' spielen kann, ohne gleichzeitig die Clintons damit anzugreifen, da letztere wesentlich aggressiver gegen ihn vorgegangen waren. Jedoch meint er auch, dass 'identity politics' lediglich zu Spaltung und Verbitterung führen. Nate Silver vom 538 Blog ist der Ansicht, dass genau diese Art von Politik, Clinton letztendlich den Sieg gekostet hat. Sie hätte ihre Symphatisanten unter den schwarzen Wählern innerhhalb von nur drei Monaten fast komplett verloren. Diese Bevölkerungsgruppe machte aber knapp 20 Prozent der Demokratischen Vorwahlbeteiligung aus.
Seitens der amerikanischen Presse war die Analyse weniger kritisch. Dan Balz von der Washington Post weist darauf hin, dass Penn zwar bereits im März 2007 Clinton davon überzeugen wollte, das "Amerikanische" in ihrer Kampagne hervorzuheben (Flaggen links und rechts, 'American' im Namen der Initiativen, etc), jedoch hatte sich Clinton für diesen Vorschlag nur bedingt erwärmen können. Seit Anfang März diesen Jahres bedient sich McCain genau dieser Strategie ("the American president America has been waiting for"), er riskiert damit allerdings, sein positives Image zu beschädigen, so Balz.
Weiter Kopfschmerzen wegen Hillary
Wie bereits berichtet, muss sich Senator Obama weiterhin auch einer partei-internen Herausforderung stellen. Zunächst ging es unter anderem um Hillary (und Bill) Clintons Teilnahme an der Konvention, so die Washington Post. Eine Reihe von Clinton-Anhängern versucht ihr (und ihren Wählern) anhand einer öffentlichen Wahl Anerkennung zu zollen, wobei es zu einer notwendigen 'Katharsis" kommen soll. Obama stattdessen richtet seinen Blick in die Zukunft - mit Optimismus und Enthusiasmus.
Die Los Angeles Times wiederum berichtet wie Anhänger von Hillary Clinton am Sonnabend versucht hatten, das für die Senatorin fatale Wahlversammlungsverfahren für den Nominierungsprozess abzuschaffen. Dieses Relikt der amerikanischen Geschichte erschwert es gerade minder-privilegierten und älteren Wählern, an dem Abstimmungsprozess teilzunehmen, da es sich nicht um eine einfache Wahl per Stimmzettel, sondern oft um eine zeitaufwendige, öffentliche Mehrfach-Abstimmung handelt, so die Kritiker.
Das Wall Street Journal verweist auf Anstrengungen seitens Obamas, Hillary Clintons gesundheitspolitische Wahlkampfplattform weitestmöglich zu integieren. Gerade in diesem Bereich gab es die bedeutenderen Unterschiede zwischen den beiden Kandidaten. Nichtsdestotrotz versuchen andere Anhänger (wie die 'Denver Group' oder '18 Million Voices'), während der Konvention zu demonstrieren, was einige Beobachter sich "sorgen" lässt, dass die Demokraten als zerstritten erscheinen würden, so The Hill. Währenddessen hat es auch eine von den Clinton-Anhängergruppen geschafft, sich direkt Geltung zu verschaffen: die Demokratische Partei hat beschlossen, dass einer ihrer Programmpunkte die Verurteilung der Frauenfeindlichkeit wird, so die Los Angeles Times.
Irak-Rückzugsplan vor November?
Einer Reihe von Nachrichtenberichten im Fernsehen zufolge (ABC World News, CBS Evening News) scheint es, dass die USA und der Irak sich in den nächsten Wochen/Monaten über einen Rückzugsplan für die US-Truppen einigen können. Laut irakischen Behörden könnten alle aktiven Truppen bis 2010 oder 2011 aus dem Irak abgezogen worden sein, wobei alle restlichen Kontingente innerhalb der nächsten drei Jahre das Land verlassen würden. Diese Pläne hängen allerdings von der Lage im Lande ab, warnt das State Department. Scheinbar ist man im Weissen Haus optimistisch genug (was die Situation im Irak angeht), um sich (wieder) als Sieger darstellen zu können - gibt man doch die Möglichkeit auf, einen möglichen Demokratischen Präsidenten (a la Dolchstoßlegende) später des "Verrats" an den Truppen zu bezichtigen.
Humor McCain's best weapon
Nachdem zunächst Hillary Clinton und danach lange Zeit Senator McCain Probleme damit hatten, Barack Obama effektiv anzugreifen, scheint sich McCain mittlerweile eingeschossen zu haben. Bestes Zeichen für seinen Erfolg ist, dass late night Talk-Show Hosts wie Jay Leno, David Letterman und Jon Stewart sich mehr oder weniger der Angriffsrichtung McCains angeschlossen haben und Obamas Selbstsicherheit mockieren, schreibt die Washington Times. Damit untermauern sie das von McCain forcierte Image eines arroganten Elitisten, der zwar weltberühmt, aber nicht reif genug ist, um das Land zu führen. Humor wäre die beste Methode, um Obama indirekt zu attackieren und ohne dabei 'negative' Wahlkampf zu betreiben.
It's on, it's so on
Nachdem die vorige Woche von McCains 'negative attacks' dominiert wurde, versucht jetzt auch Senator Obama seinen Kontrahenten direkt anzugreifen. Die Washington Post verweist dabei auf einige Washingtoner Kommentatoren, denen Obamas Gegenattacke nicht weit genug gegangen ist. Zwar hätte Obamas Team erfolgreich versucht, McCains Kampagne den Medien als 'lächerlich' zu präsentieren, jedoch nicht aggressiv genug zurückgeschlagen (d.h. mit ihrem Spot keine vergleichbare kostenfreie Medienaufmerksamkeit generiert?).
Bereits gestern monierte der Boston Globe, dass sich der Wahlkampf merklich in Richtung "unter die Gürtellinie" bewegt, wo es im besten Fall nur darum geht, mit Kinkerlitzchen seinen Kontrahenten auf simpleste Art als Aussenseiter oder Bush 3 darzustellen. Heute schliesst sich diesem Urteil die Chicago Tribune an und bemängelt, dass beide Kandidaten sich langsam von ihren Versprechen abwenden, nicht die "typische" Schmierenkampagne zu betreiben. Der Politico warnte auf jeden Fall, dass den Wählern während Olympia nichts erspart bleiben wird: beide Kandidaten haben insgesamt $11 Millionen für Werbespots in den nächsten zwei Wochen verplant (noch ein Rekord?!?). Fest steht, dass McCain Obama bei den YouTube-Zuschauern zum ersten Mal überholt hat, berichtet die Washington Times. Das nächste Rematch kommt bald.


